Gorodki ? Goro... was? Diese Frage stellten wir uns auch als wir zum ersten mal, im Rahmen der Integrationsprojekte des LSB, von diesen Spiel hörten (2008).
Gorodki ist ein altes, osteuropäisches Wurfspiel. Das Ziel des Spiels ist es, verschiedene Figuren, die aus fünf Holzklötzchen (Gorodok) zusammengesetzt werden, durch den gezielten Wurf eines Wurfstockes (Bit) aus der Spielfläche herauszuschlagen.
In Deutschland unbekannt, war dieses Spiel im alten Russland und der UDSSR ein sehr populäres Spiel. In fast allen Parks, Stadien und Schulen der Städte und Ortschaften wurden Gorodkiplätze angelegt. Die Geschichte des Gorodki reicht bis ins Mittelalter zurück.- aber wo und wann Gorodki tatsächlich erfunden wurde kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Die ältesten offiziellen Dokumente, in denen das Spiel erwähnt wird, sind aus dem frühen 18. Jahrhundert. Im Jahr 1805 erschien in Leipzig ein kleines Album namens "Spiele und Belustigungen der Russen aus den unteren Bevölkerungsschichten", in dem Bildtafeln abgebildet sind. Gorodki wird in dem Buch wie folgt erläutert: "Gorodki. Dieses Spiel ist nur in Russland bekannt und erfordert viel Kraft. Deswegen spielen dieses Spiel nur starke Leute, die in diesem Land unter den harten Lebens- und Naturbedingungen leben. Spielregeln sind folgende: die Spieler teilen sich in zwei gleiche Gruppen auf. Für jede Gruppe wird auf dem Boden ein Kreis aufgemalt. Dieses zwei Kreise liegen 15 Schritte voneinander entfernt. In der Mitte des Kreises legt man 5-6 Zoll lange und 2-3 Zoll breite Klötze. Meistens wird es mit fünf Klötzen gespielt, manchmal sind es sieben oder neun, -wobei sie aufeinander gestellt werden. Die Spieler haben lange schwere Wurfstöcke. Jede Gruppe stellt sich an ihren Kreis und ein Spieler nach dem anderen wirft seinen Stock in den Kreis der Gegner, um die dort stehenden Klötze her zu schlagen. Die Gruppe, der dies schneller gelingt, gewinnt das Spiel. Anschließend lassen sich die Sieger auf dem Rücken der Verlierer um die beiden Kreise tragen. Dieses Spiel ist bei den Russen eines der Lieblingsspiele. Wenn sich viele Leute zusammentreffen, wird gewöhnlich dieses Spiel gespielt." Dieses Album sowie weitere Quellen bestätigen nicht nur die Existenz dieses Spiels, sondern zeigen auch, dass Gorodki im mittelalterlichen Russland ein sehr verbreitetes Spiel war, das sowohl vom "einfachen Volk", als auch von den oberen Schichten bis hin zu den Adeligen gespielt wurde. Eine mögliche Erklärung zum Ursprung des Namens Gorodki (russisch für ("Städtchen") wird schon im Leipziger Album von 1805 geliefert:" .. die Holzklötze, die aufeinander gestellt werden, erinnern an eine Stadt, die von den Feinden besetzt ist". Einige Philologen hingegen vertreten die Meinung, dass das Spiel seinen Namen aufgrund der beschriebenen Kreise und Quadrate bekommen hat, die in anderen russischen Spielen als Goroda (Städte) bezeichnet werden. Der Aufschwung von Gorodki und die Steigerung seiner Popularität begann in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Mit der Gründung eines Gorodkiverbandes 1923 bekam das Spiel in Russland den Status einer Sportart. 1928 veröffentlichte der Sportausschuss der Stadt Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, die erste Auflage von "Regeln des Gorodki-Spiels". Aus dieser Zeit stammen Skizzen und Beschreibungen von zehn aus Holzklötzchen zusammen gesetzten Spielfiguren, die damals folgende Bezeichnungen trugen: "Kanone", "Warteschlange", "Brunnen", "Dampflok", "Maschinengewehrnest", "Wurst", "Sichel","Krebs", "Aeroplan" und "Brief". in den 50 - 70 Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden in der Sowjetunion in der Regel sämtliche Stadien, Kurhäuser sowie öffentliche Erholungs- und Kulturparks mit einer Gorodki-Anlage ausgestattet. In dieser Zeit war Gorodki nach Fußball die zweitpopulärste Sportart in Russland, Weißrussland und der Ukraine. Das Sportspiel Gorodki bzw. verwandte Zielwurfspiele mit Holzstäbchen waren und sind heute noch über das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion hinaus vor allem in Schweden und Finnland bekannt.
Der Berufsschullehrer und Jugendsozialarbeiter Edwin Feser hatte im Jahr 2000 die Idee, Gorodki-Schläger als Lehrobjekte im Rahmen der Berufsvorbereitung in einem Projekt des Stadtjugendausschusses Karlsruhe herzustellen, und mit dem ebenso alten wie in Deutschland exotischen Sport ein Identifikationsobjekt und Integrationsprojekt für russland-deutsche Jugendliche aufzubauen. Die erste Gorodki-Anlage wurde folglich in Karlsruhe gebaut. Die Anlage befindet sich auf dem Sportgelände des FSV Hardeck im Stadtteil Grünwinkel. Im August 2006 wurden in Karlsruhe die 3. Gorodki-Weltmeisterschaften ausgetragen, an der elf Nationen teilnahmen Über Karlsruhe wurde die fremde Sportart Gorodki nach Deutschland gebracht und dort auch maßgeblich weiter entwickelt. Die Spielregeln wurden an eine moderne und neue Spielweise der Sportart angepasst. Darüber hinaus wurden im Rahmen der erwähnten Jugendprojekte die Spielmaterialien weiterentwickelt.Der Erfolg dieser Arbeit zeigte sich darin,dass 2002 in Russland erstmals ein Gorodki-Turnier mit den in Karlsruhe entwickelten Kunststoffschlägern ausgetragen wurde. Sie wiegen nur 1,5 KG und verursachen weniger Lärm beim Aufschlag. "Diese neuen Bits sind ein wichtiger Schritt, um Gorodki international und in der breiten Masse populär zu machen", lobte der Präsident des Internationalen Gorodki-Verbands Ewgeny Artamonov, am Rande des Turniers die Innovation "made in Germany".